Die Geschichte der Strombörse Leipzig
Im Juni 2000 nahm die Leipzig Power Exchange (LPX) den Stromhandel auf; im August folgte die EEX in Frankfurt. 2002 fusionierten beide zur European Energy Exchange AG mit Sitz in Leipzig. 2006 wurde das Clearing in die European Commodity Clearing (ECC) ausgegliedert. 2008 entstand EPEX SPOT mit Sitz in Paris.
Leipzig bleibt Sitz der EEX. Für die heutige Preisbeobachtung ist die Unterscheidung entscheidend: Der EEX-Stromterminmarkt handelt künftige Lieferperioden; EPEX SPOT organisiert kurzfristige Märkte. Historische Day-Ahead-Daten erhalten Sie hier über SMARD. Die Bezeichnung „Strombörse Leipzig“ ist deshalb ein guter Einstieg, aber keine genaue Datenquellenangabe. Quellen: EEX Group: historische Meilensteine und EEX: heutige Strommärkte.
Ein Preis bekommt erst mit seinem Zeitraum Bedeutung.
Ein niedriger Börsenpreis an einem sonnigen Sonntag beantwortet noch nicht, was der Strom am Montagmorgen in Ihrer Produktion kostet. Der Chart hilft Ihnen, einzelne Ausschläge von einer längerfristigen Entwicklung zu unterscheiden.
Mehrere Jahre betrachten
Monatsmittel zeigen die großen Bewegungen. Mit „Gesamte Historie“ sehen Sie den verfügbaren Bestand; der Wechsel des Marktgebiets im Oktober 2018 bleibt erkennbar.
Gleiche Monate vergleichen
Legen Sie zwei Jahre übereinander. So vergleichen Sie etwa Januar mit Januar. Ein unvollständiger Monat bleibt offen, statt wie ein abgeschlossenes Ergebnis auszusehen.
In den Zeitraum hineinsehen
Wählen Sie einen Monat und öffnen Sie die Tagesansicht. Von dort gelangen Sie zu einzelnen Stunden oder Viertelstunden. Zeitpunkte lassen sich auch per Tastatur auswählen.
100 €/MWh entsprechen 10 ct/kWh. Das ist ein Börsenpreis für die Energie — nicht der vollständige Strompreis auf Ihrer Rechnung. Auch ein negativer Börsenpreis bedeutet nicht automatisch eine negative Gesamtrechnung.
Minimum, Maximum und Durchschnitt richtig einordnen
Die Extremwerte zeigen den niedrigsten und höchsten einzelnen Intervallpreis innerhalb Ihrer Auswahl. Eine Monatskurve zeigt dagegen Mittelwerte und kann solche kurzen Spitzen optisch glätten. Bei gleichem Extrempreis nennt der Chart das erste Auftreten. Die dezente Durchschnittslinie entspricht exakt der zeitgewichteten Kennzahl über den ausgewählten Datenbestand – nicht dem einfachen Mittel der Monatswerte.
Fehlende Intervalle zählen weder als Nullpreis noch als vorhandene Lieferzeit. Prüfen Sie deshalb immer die Datenabdeckung. Im Jahresvergleich beziehen sich die Kennzahlen auf den verfügbaren Zeitraum des jeweiligen Jahres; ein noch laufendes Jahr ist kein vollständiges Vergleichsjahr.
Lieferzeit statt Zeitpunkt des Handels
Die Uhrzeit am Datenpunkt bezeichnet den Beginn der Lieferung, nicht den Zeitpunkt des Börsengeschäfts. Alle Zeiten werden in Europe/Berlin angegeben: im Winter MEZ (UTC+01:00), im Sommer MESZ (UTC+02:00). Bei der Rückstellung gibt es die Stunde ab 02:00 zweimal. Erst Datum und UTC-Offset machen die Zuordnung eindeutig.
Im hier dargestellten Day-Ahead-Datensatz wechseln die Lieferintervalle am 1. Oktober 2025 von einer Stunde auf 15 Minuten. Ein normaler Tag hat danach 96 Intervalle, der Tag der Zeitumstellung im Frühjahr 92 und im Herbst 100. Die Berechnung berücksichtigt deren tatsächliche Dauer. SMARD erläutert die Umstellung auf Viertelstundenpreise.
Warum verändert sich der Strompreis?
Am Day-Ahead-Markt werden Angebote für die Stromlieferung des folgenden Tages zusammengeführt. Dabei treffen erwartete Nachfrage, verfügbare Erzeugung und Handel zwischen Marktgebieten aufeinander. Wind und Sonne, Kraftwerksverfügbarkeit, Brennstoff- und CO₂-Kosten sowie Netz- und Handelskapazitäten beeinflussen die Situation.
In der gekoppelten Auktion entsteht für jedes Lieferintervall und Marktgebiet ein einheitlicher Markträumungspreis. Eine starke Veränderung eines Einflussfaktors kann den Preis bewegen. Aus einer einzelnen Kurve lässt sich aber nicht zuverlässig ablesen, welcher Faktor allein den Ausschlag gegeben hat.
Warum kann Strom einen negativen Preis haben?
Übersteigt das angebotene Volumen bei negativen Geboten die Aufnahmebereitschaft des Marktes, kann die Auktion unter null räumen. Beispielsweise treffen hohe Einspeisung und geringe Nachfrage auf Anlagen, deren kurzfristiges Abstellen Kosten verursacht. Zusätzlicher Verbrauch, Speicher oder Exporte können entlasten, soweit sie verfügbar sind. SMARD erklärt die Ursachen negativer Strompreise.
Für Ihren Betrieb zählt die Vertragsformel. Ein negativer Börsenpreis wird bei einem Festpreis nicht automatisch gutgeschrieben. Auch bei einem dynamischen Tarif bleiben weitere Kostenbestandteile möglich. Lasten nur zu verschieben, weil ein Preis negativ ist, wäre zu kurz gedacht: Prozesssicherheit, Mehrverbrauch und mögliche Lastspitzen gehören in dieselbe Rechnung. Wie die Abrechnung funktioniert, lesen Sie unter dynamische Stromtarife für Unternehmen.
Zum Zusammenspiel von Erzeugung und Verbrauch: Wind- und Solarstrom in Deutschland und Stromverbrauch und Residuallast verstehen.
Welcher Zeithorizont passt zu Ihrer Beschaffung?
Aus der Arbeitsteilung der Märkte entstehen unterschiedliche Möglichkeiten für Ihren Betrieb: Preise vorab absichern oder liefernahe Entwicklungen bewusst in die Beschaffung einbeziehen. Entscheidend ist, welche Mengen und Preisbestandteile Ihr Vertrag tatsächlich erfasst.
Spotmarkt: kurzfristige Lieferung
Ein spotgebundener Liefervertrag muss festlegen, welcher Index mit welchen Mengen abgerechnet wird. Day-Ahead- und Intraday-Preise sind nicht austauschbar. Prüfen Sie außerdem Aufschläge und die Behandlung negativer Preise.
Viele Jahre im Chart bedeuten also: ein langer Rückblick auf kurzfristig gehandelte Lieferintervalle.
Terminmarkt: zukünftige Lieferperioden
Terminprodukte beziehen sich auf zukünftige Lieferperioden, beispielsweise ein kommendes Quartal oder Jahr. Ein heute gehandelter Jahresfuture ist etwas anderes als der Durchschnitt der Spotpreise eines vergangenen Jahres.
Ein Future kann Preisrisiken absichern; das konkrete Produkt und die Liefervereinbarung bestimmen, wie die Absicherung umgesetzt wird. Ein Terminpreis ist keine Zusage, dass der spätere Spotpreis genauso ausfällt. Preise für künftige Lieferjahre werden hier nicht dargestellt.
Welcher Beschaffungsweg welche Chancen, Verpflichtungen und Risiken mitbringt, erläutert unser ausführlicher Vergleich von Spotmarkt und Terminmarkt.
Ihr Verbrauch entscheidet mit.
Eine Bäckerei benötigt Energie für die Produktion häufig schon in der Nacht. Ein Hotel muss auch bei niedriger Belegung Warmwasser, Kühlung und Grundlast bereitstellen. Bei einem Filialunternehmen kommen unterschiedliche Öffnungszeiten und Lieferstellen zusammen. Derselbe Börsenverlauf kann deshalb zu unterschiedlichen Beschaffungskosten führen.
Für die wirtschaftliche Einordnung zählt, wie viel Strom Sie in den jeweiligen Zeitintervallen beziehen. Ein einfacher Börsendurchschnitt gewichtet die Zeit; Ihr persönlicher Beschaffungspreis muss zusätzlich die verbrauchten Mengen und die konkrete Abrechnung des Vertrags berücksichtigen.
Zwei gleich lange Intervalle kosten 50 und 150 €/MWh. Das Zeitmittel beträgt 100 €/MWh. Beziehen Sie im günstigeren Intervall 80 % und im teureren 20 % Ihrer Energie, ergibt sich ein mengenbezogener Energiepreis von 70 €/MWh. Bei umgekehrtem Verbrauch sind es 130 €/MWh — jeweils vor weiteren Preisbestandteilen.
Ein Festpreis kann die vereinbarten Preisbestandteile planbar machen. Entscheidend bleibt, welche Bestandteile tatsächlich fixiert sind und welche Mengen- oder Anpassungsregeln gelten. Spot- und Mischmodelle eröffnen andere Möglichkeiten und übertragen andere Risiken. Die passende Entscheidung beginnt deshalb bei Ihrem Betrieb, Ihrer Budgetplanung und Ihrer Risikobereitschaft.
Für Betriebe mit frühen Produktionszeiten: Energiebeschaffung für Bäckereien und Filialen. Vertiefend: Was Ihr Lastgang über den Betrieb aussagt, Energiebeschaffung für Hotels und Hotelketten und Beschaffungsmodelle verständlich vergleichen.

Was wir für eine belastbare Einordnung prüfen.
Wann benötigen Sie Energie?
Jahresmengen, vorhandene Lastgänge, Betriebszeiten, Standorte und geplante Veränderungen gehören zusammen.
Was ist wirklich vereinbart?
Laufzeit, Preisbestandteile, Kündigungsfristen, Mengengrenzen und Abrechnung müssen zur Entscheidung passen.
Welche Sicherheit brauchen Sie?
Wir erarbeiten den Beschaffungsweg individuell: mit möglichst hoher Planungssicherheit oder einem bewusst festgelegten Spielraum für Marktrisiken.
Sobald die erforderlichen Unterlagen vollständig vorliegen, können wir Ihre Situation konkret bewerten und die in Frage kommenden Wege nachvollziehbar gegenüberstellen. Sie erhalten eine klare Entscheidungsgrundlage: welche Preisbestandteile feststehen, welche Risiken bleiben und wo vertragliche Grenzen greifen. Wer hohe Planungssicherheit braucht, erhält einen darauf ausgerichteten Vorschlag. Flexibilität nehmen wir nur dort auf, wo sie zum Betrieb und zum vereinbarten Risikorahmen passt.
Häufige Fragen zur Strombörse Leipzig
Wird der deutsche Spotpreis in Leipzig oder Paris festgelegt?
Der jeweilige Unternehmenssitz legt den Preis nicht fest. Für Day-Ahead entstehen Preise je Lieferintervall und Gebotszone im gekoppelten europäischen Auktionsverfahren aus Geboten und verfügbaren Austauschkapazitäten. EEX in Leipzig und EPEX SPOT in Paris erfüllen unterschiedliche Marktaufgaben. Die Zuordnung von Börsen, Clearing und Datenquelle steht am Anfang dieses Beitrags.
Kann ich hier den aktuellen Börsenpreis sehen?
Sie sehen einen gespeicherten historischen Datenstand bis zum letzten enthaltenen abgeschlossenen Liefertag. Der Chart ist kein Echtzeit-Ticker und enthält keine aktuellen Intraday-Abschlüsse. Die Day-Ahead-Preise der letzten Tage zeigt unser Spotmarkt-Chart.
Was bedeutet die Durchschnittslinie?
Sie entspricht der zeitgewichteten Kennzahl für die aktuelle Auswahl. Im Jahresvergleich gibt es je Jahr eine eigene Referenzlinie. Datenlücken werden nicht als Nullpreis eingerechnet; die Abdeckung steht über dem Chart.
Sind die angezeigten Werte EEX-Terminmarktpreise?
Nein. Die Daten stammen aus SMARD und zeigen historische Day-Ahead-Großhandelspreise. EEX-Terminprodukte für zukünftige Lieferperioden sind eine andere Marktbetrachtung.
Kann ich daraus meinen Stromtarif direkt berechnen?
Für eine belastbare Tarifberechnung reichen die dargestellten Preise allein nicht aus. Dazu gehören Ihr zeitlicher Verbrauch, die konkrete Preisformel des Vertrags und sämtliche zusätzlichen Preisbestandteile.
Warum fehlen einzelne Werte oder Monatslinien?
Die Darstellung übernimmt verfügbare Quelldaten. Fehlende Intervalle bleiben leer. Beim Jahresvergleich werden nur vollständig belegte Monate gezeigt. Das verhindert, dass ein Teilmonat wie ein vollständiger Vergleichswert erscheint.
Warum gibt es 2018 einen Wechsel?
Bis Ende September 2018 galt das gemeinsame Marktgebiet Deutschland/Österreich/Luxemburg. Seit Oktober 2018 wird hier Deutschland/Luxemburg betrachtet. Die Reihen werden transparent aneinandergefügt, nicht als unverändertes Marktgebiet ausgegeben.
Wie passt die Preisentwicklung zu Ihrem Stromverbrauch?
Wir verbinden Marktentwicklung, Vertragsbedingungen und Ihren betrieblichen Bedarf zu einer passenden Beschaffungsstrategie. Schildern Sie uns Ihre Ausgangslage — wir klären im Gespräch, welche Unterlagen für die Prüfung benötigt werden.
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