Eigenstrom verändert auch den Stromeinkauf
Die Photovoltaikanlage ist geplant, der Stromvertrag läuft weiter. Spätestens jetzt sollten die beiden Vorhaben zusammen betrachtet werden. Denn für die externe Beschaffung bleibt nicht einfach derselbe Bedarf mit einer kleineren Jahressumme übrig. Solarerzeugung, Betriebszeiten und mögliche Speicherung verändern, wann Ihr Unternehmen Strom aus dem Netz benötigt.
Hier geht es deshalb um die Einbindung eigener Erzeugung in die Beschaffung. Die Auslegung einer Anlage, Netzanschlussfragen und das konkrete Messkonzept gehören zusätzlich in die Fachplanung. Für den Einkauf ist eine gemeinsame Datengrundlage hilfreich: Lastgang, erwartete Erzeugung, Inbetriebnahme und vorgesehene Steuerung.
Erzeugung und Bedarf auf dieselbe Zeitachse legen
Eine hohe Jahreserzeugung bedeutet noch keine entsprechende zeitgleiche Deckung des Betriebs. An einem sonnigen Wochenende kann Strom übrig sein, während eine frühe Schicht am Montag Netzstrom braucht. Vergleichen Sie daher Erzeugung und Verbrauch in denselben Zeitintervallen. Direktverbrauch ist der Solarstrom, den Ihr Betrieb während der Erzeugung nutzt. Einspeisung ist der Überschuss, der ins öffentliche Netz geht. Netzbezug ist die Energie, die von dort zusätzlich geliefert wird. Diese drei Größen sollten in der Planung getrennt erkennbar sein.
Die dena beschreibt im Dossier „Mehr als Strom vom Dach“, wie Energiemanagement die Energieflüsse sichtbar macht und flexible Verbraucher mit der Erzeugung zusammenführen kann. Entscheidend sind der betriebliche Lastgang und die tatsächlich steuerbaren Anlagen. Quelle: dena/KEDi zum Energiemanagement mit Photovoltaik.
Welche Aufgabe soll der Speicher übernehmen?
Mehr Eigenverbrauch, zeitliche Verschiebung und die Begrenzung von Leistungsspitzen sind unterschiedliche Ziele. Legen Sie fest, welches davon vorrangig ist und wann dafür Leistung oder gespeicherte Energie verfügbar sein muss. Ein Speicher, der gerade für einen anderen Zweck genutzt wird, kann nicht gleichzeitig unbegrenzt jede Spitze abfangen.
Die dena weist darauf hin, dass Speichergröße, vorhandene Überschüsse und Nutzung zusammenpassen müssen. Zu große Speicher können trotz technischer Funktion wirtschaftlich ungünstig sein. Vertiefung: KEDi-Dossier, Abschnitt zu Stromspeichern. Berücksichtigen Sie in Ihrer Rechnung außerdem Verluste, nutzbare Kapazität, Betriebsbedingungen und Kosten.
Achten Sie beim Speicherangebot auf zwei Angaben: Die nutzbare Kapazität in kWh beschreibt die verfügbare Energiemenge. Die Lade- und Entladeleistung in kW begrenzt, wie schnell diese Energie aufgenommen oder abgegeben werden kann. Für eine kurze, hohe Leistungsspitze kann deshalb ein anderer Speicher passen als für die Versorgung einer langen Abendschicht. Zusätzlich muss die Steuerung festlegen, welcher Aufgabe sie im Konfliktfall Vorrang gibt.
Den verbleibenden Bedarf im Vertrag abbilden
Ein vereinfachtes Beispiel ohne Speicher: Ein Unternehmen benötigt 200 MWh im Jahr. Eine PV-Anlage erzeugt 100 MWh; davon werden 60 MWh unmittelbar im Betrieb genutzt und 40 MWh eingespeist. Der verbleibende Netzbezug beträgt in diesem Beispiel 140 MWh. Die Jahreserzeugung allein hätte den Netzbezug also zu niedrig erscheinen lassen.
Das Beispiel trennt auch zwei oft verwechselte Kennzahlen: Der direkte Eigenverbrauchsanteil beträgt 60 von 100 MWh, also 60 Prozent der PV-Erzeugung. Bezogen auf den Betriebsverbrauch deckt die Anlage aber 60 von 200 MWh, also 30 Prozent. Eine hohe Eigenverbrauchsquote bedeutet daher nicht automatisch, dass der Betrieb weitgehend ohne Netzstrom auskommt.
Besprechen Sie mit dem Lieferanten, wie ein verändertes Bezugsprofil, Mengenabweichungen und der Inbetriebnahmetermin berücksichtigt werden. Fragen Sie auch nach dem Vorgehen bei Verzögerungen oder längeren Anlagenausfällen. Vor einer Zusage sollten bestehender Liefervertrag, Vermarktung und neue Betriebsplanung aufeinander abgestimmt sein.
Nach der Inbetriebnahme mit echten Daten vergleichen
Nach dem Start zeigt der Abgleich mit den Messwerten, ob die Planung trägt. Vergleichen Sie regelmäßig prognostizierte und gemessene Erzeugung, Direktverbrauch und Netzbezug. Führen Sie auffällige Abweichungen auf Wetter, Betriebsänderungen oder technische Ursachen zurück, soweit die Daten dies erlauben. Notieren Sie etwa eine zusätzliche Schicht oder einen Wechselrichterausfall beim betroffenen Zeitraum. So lässt sich für die nächste Beschaffungsperiode unterscheiden, welche Abweichung einmalig war und welche den Bedarf dauerhaft verändert.
Bei leistungsgemessenen Anschlüssen ergänzt die Prüfung von Lastspitzen und Netzentgelten die Mengenrechnung. Ein dynamischer Tarif benötigt wiederum eine eigene Bewertung der Preis- und Lastverläufe. OPTUM ordnet diese Zusammenhänge im Rahmen der Strombeschaffung für Unternehmen ein, damit Eigenversorgung und externer Einkauf auf derselben Grundlage geplant werden.




