Was unterscheidet Dauerlinie und Zeitverlauf?
Im Lastgang stehen die Messwerte in zeitlicher Reihenfolge: Montagmorgen folgt auf Sonntagnacht. In der Dauerlinie stehen hohe Leistungen links, niedrige rechts. Die senkrechte Achse zeigt Kilowatt; die waagerechte Achse zählt die dazugehörigen Stunden auf.
Das Fraunhofer-Projekt ProEnergie beschreibt Jahresdauerlinie, Zeitverlauf, Rasterdarstellung und Lastspitzenanalyse als verschiedene Ansichten derselben Energiedaten. Jede beantwortet eine andere Frage. Für den betrieblichen Blick heißt das: Zuerst erkennen, wie häufig hohe Last vorkommt; anschließend im Zeitverlauf prüfen, wann und unter welchen Bedingungen sie entstand. Methodenübersicht von Fraunhofer.
„Jahresdauerlinie“ ist die passende Bezeichnung für einen Jahreszeitraum. Eine Monatsdatei ergibt zunächst eine Monatsdauerlinie. Ihre Form lässt sich nicht ohne zusätzliche Annahmen auf das ganze Jahr übertragen.
Andere Reihenfolge, gleiche Energie
20 → 40 → 60 → 80 → 80 → 40 → 20 → 0 kW
80 → 80 → 60 → 40 → 40 → 20 → 20 → 0 kW
Die Datengrundlage festlegen
Wählen Sie beispielsweise den Netzbezug einer Lieferstelle für ein vollständiges Kalenderjahr. Ein Anlagenunterzähler oder eine Einspeisemessung beschreibt jeweils etwas anderes. Halten Sie Zeitraum, Messrichtung und Datenabdeckung neben der Auswertung fest.
Wir verwenden mittlere Leistungen in kW für gleich lange Viertelstunden. Liegen Energiemengen in kWh je Viertelstunde vor, gilt: Leistung = Intervallenergie / 0,25 Stunden. Ein kumulierter Zählerstand ist keine Intervallenergiemenge. Hinweise zu Einheit, Zeitstempel und Datenstatus stehen in unserer Anleitung zur Lastgangdaten-Prüfung.
Bewahren Sie die Originalreihe auf. Sortiert wird eine Arbeitskopie, in der Messwert und Intervalldauer zusammenbleiben. Sonst fehlt der Rückweg vom Leistungsniveau zum Betriebsablauf.
Eine Dauerlinie Schritt für Schritt erstellen
Eigenes synthetisches Modell, kein Kundenlastgang: Acht vollständige Viertelstunden von 08:00 bis 10:00 Uhr am 15. Januar 2026 enthalten chronologisch die Leistungen 20, 40, 60, 80, 80, 40, 20 und 0 kW. Jeder Wert gilt als Mittelwert seines gesamten Intervalls.
- Sortieren Sie die acht vollständigen Datensätze nach Leistung absteigend.
- Ordnen Sie jedem weiterhin seine Dauer von 0,25 Stunden zu.
- Addieren Sie diese Dauern von links nach rechts.
- Zeichnen Sie für jeden Wert einen waagerechten Abschnitt über seine Intervalldauer. So bleibt die Flächenrechnung eindeutig.
| Leistung | Anzahl Viertelstunden | Dauer dieses Niveaus | Aufsummierte Dauer am Abschnittsende | Energie |
|---|---|---|---|---|
| 80 kW | 2 | 0,50 h | 0,50 h | 40 kWh |
| 60 kW | 1 | 0,25 h | 0,75 h | 15 kWh |
| 40 kW | 2 | 0,50 h | 1,25 h | 20 kWh |
| 20 kW | 2 | 0,50 h | 1,75 h | 10 kWh |
| 0 kW | 1 | 0,25 h | 2,00 h | 0 kWh |
| Summe | 8 | 2,00 h | — | 85 kWh |
Tabelle bei Bedarf seitlich verschieben →
Die Kontrollrechnung lautet Energie = Summe aus Leistung × Intervalldauer. Hier also: 40 + 15 + 20 + 10 = 85 kWh. Sortieren verändert weder diese Summe noch die erfassten zwei Stunden. Die mittlere Leistung beträgt 85 kWh / 2 h = 42,5 kW.
Viertelstunden mit mindestens 60 kW Intervallmittelwert umfassen insgesamt 0,75 Stunden: 37,5 Prozent der erfassten Zeit. Viertelstunden mit mehr als 60 kW Intervallmittelwert umfassen dagegen nur 0,50 Stunden. Das ist keine sekundengenaue Messung. Die drei Viertelstunden müssen im ursprünglichen Lastgang nicht unmittelbar aufeinanderfolgen.
60 kW: „mindestens“ und „mehr als“ unterscheiden
Der Wert von genau 60 kW liefert die zusätzliche Viertelstunde bei „mindestens“.
Unterschiedliche Intervalle und Datenlücken behandeln
Bei wechselnden Intervalllängen reicht die Anzahl der Messwerte nicht. Ein 60-Minuten-Wert erhält die vierfache Breite eines Viertelstundenwerts. Beispiel: 80 kW für 0,25 Stunden, 40 kW für 0,50 Stunden und 20 kW für eine Stunde ergeben zusammen 1,75 Stunden und 60 kWh. Nach dem Sortieren werden die tatsächlichen Dauern kumuliert. Ein ungewichtetes Zählen würde die Anteile verfälschen.
Ein größerer Abstand zwischen Zeitstempeln beweist jedoch keine längere Messdauer: Er kann eine Datenlücke bedeuten. Die Exportbeschreibung muss diese Frage klären. Verwenden Sie im Kompass ein bestätigtes einheitliches Messraster; Abschnitte mit wechselndem Raster werden getrennt importiert.
Nullwert und Lücke unterscheiden
Eine fehlende Viertelstunde wird weder als null gezählt noch still verlängert. Fehlen im Modell die 60 kW, bleiben 70 kWh über 1,75 erfasste Stunden. Der vollständige Zweistundenverbrauch ist dann unbekannt. Ein bestätigter Nullwert zählt dagegen als beobachtete Zeit. Auch das SMARD-Handbuch unterscheidet vollständige Aggregationen von fehlenden Daten. Bundesnetzagentur: Datenaufbereitung und Zeitangaben.
Null ist ein Messwert. Eine Lücke bleibt unbekannt.
Alle acht Intervalle sind erfasst
- 20
- 40
- 60
- 80
- 80
- 40
- 20
- 0
Werte in kW · jeder Platz entspricht 15 Minuten
0 kW × 0,25 h = 0 kWh
Die Viertelstunde zählt zur erfassten Zeit.
Der dritte Messwert ist unbekannt
- 20
- 40
- ?
- 80
- 80
- 40
- 20
- 0
Gleicher Sollzeitraum · die Lücke bleibt sichtbar
? kW × 0,25 h = ? kWh
Die Energie über volle 2,00 h ist unbekannt.
Zeitumstellung und Jahreslänge richtig berücksichtigen
Bei deutscher Ortszeit fehlt im Frühjahr eine Stunde; im Herbst kommt eine Stunde zweimal vor. Das ist für sich genommen kein Datenfehler. Eindeutige UTC-Zeitstempel oder passende UTC-Offsets unterscheiden die beiden Herbststunden. Sie dürfen nicht als vermeintliche Dubletten gelöscht werden. Bundesnetzagentur: Zeitumstellung in Messzeitreihen.
Die erwartete Datenmenge kontrollieren
Ein vollständiges normales Kalenderjahr umfasst 8.760 Stunden, ein Schaltjahr 8.784 Stunden. Bei vollständigen Viertelstundenreihen entspricht das 35.040 beziehungsweise 35.136 Intervallen. Diese Zahlen sind eine Vollständigkeitskontrolle, keine Vorgabe für eine lückenhafte Kurve. Ihre Zeitachse darf nur die tatsächlich ausgewerteten Intervalle enthalten; Sollzeitraum und Abdeckung gehören daneben.
Dauer, Betriebszeit und Benutzungsstunden auseinanderhalten
Unser Modell enthält zwei erfasste Stunden und 1,75 Stunden mit positivem Netzbezug. Daraus folgt keine bestimmte Maschinenlaufzeit: Hinter dem gemeinsamen Zähler können mehrere Anlagen, Bereitschaftsverbrauch oder eine eigene Erzeugung stehen.
Die rechnerischen Benutzungsstunden bezogen auf das gemessene Maximum betragen im Beispiel 85 kWh / 80 kW = 1,0625 Stunden. Das beantwortet eine gedachte Frage: Wie lange müsste dieses Maximum konstant anliegen, um dieselbe Energie zu ergeben? Es sagt nicht, wie lange tatsächlich mit 80 kW gearbeitet wurde.
Die Bezugsleistung benennen
Bei Anlagen-Volllaststunden wird häufig die Nennleistung als Bezugsleistung verwendet. Sie muss ausdrücklich benannt werden und darf nicht still durch das gemessene Maximum ersetzt werden. Das Bayerische Landesamt für Umwelt erläutert, dass Volllaststunden auch auf Volllast umgerechnete Teillaststunden enthalten. LfU: Betriebs- und Volllaststunden.

Mit dem Kompass zur passenden nächsten Frage
Nach der Auswertung einer passenden Messreihe können Sie im Lastgang-Kompass die Ansicht „Lastdauerlinie“ wählen. Sie zeigt absteigend sortierte Intervallleistungen über erfasste Stunden. Prüfen Sie dazu Zeitraum und Abdeckung. Für Zeitpunkte wechseln Sie zum Verlauf oder zur Wärmekarte zurück.
Zwei völlig verschiedene Schichtfolgen können dieselbe Dauerlinie ergeben. Ebenso lassen sich Spotkosten nur berechnen, wenn Verbrauch und Preis zum selben Lieferintervall zusammengeführt werden. Die sortierte Leistung allein genügt dafür nicht. Auch eine Speichergröße folgt nicht allein aus der Kurve: Zusammenhängende Spitzen, Ladegelegenheiten und technische Grenzen bleiben entscheidend.
Für Abrechnungsfragen führt der nächste Schritt zu Lastspitzen und RLM-Netzentgelten. Für eine Beschaffungsfrage betrachten Hasan Sahin und das Energieteam den ursprünglichen Lastgang zusammen mit Betriebszeiten, geplanten Änderungen und Vertragszeitraum.
Welche Darstellung führt zur Antwort?
Wie häufig liegt die Leistung hoch?
Intervallleistung + jeweilige Dauer
Dauerlinie
Im Modell: mindestens 60 kW über insgesamt 0,75 h.
Wann entsteht die Spitze im Betrieb?
Originalzeitstempel + Betriebsinformationen
Zeitverlauf, bei Bedarf Wärmekarte
Die Sortierung enthält keine Uhrzeiten oder Schichtfolge.
Welche Spotkosten entstehen?
Energiemenge + Preis desselben Lieferintervalls
Zeitlich zugeordnete Kostenrechnung
Ohne die passende zeitliche Zuordnung fehlt die Berechnungsgrundlage.
Welche Speichergröße passt?
Spitzenfolge + Ladegelegenheiten + technische Grenzen
Analyse der chronologischen Messreihe
Eine Dauerlinie allein bestimmt keine Speichergröße.
Häufige Fragen
Kann ich eine Jahresdauerlinie selbst in einer Tabelle erstellen?
Ja. Sortieren Sie eine Arbeitskopie nach Leistung und ergänzen Sie die aufsummierten Intervalldauern. Energie und erfasste Zeit müssen vor und nach dem Sortieren übereinstimmen.
Zeigt der rechte Rand die vermeidbare Grundlast?
Er zeigt niedrige gemessene Leistungsniveaus. Ob dahinter notwendiger Betrieb, Bereitschaft oder ein beeinflussbarer Verbrauch steckt, erfordert zusätzliche Betriebsinformationen.
Was mache ich mit negativen Leistungen?
Klären Sie zuerst die Messkonvention. Negative Werte können etwa die entgegengesetzte Flussrichtung darstellen. Behalten Sie das Vorzeichen bei und betrachten Sie positive und negative Energiemengen getrennt.
Reicht eine kurze Datei für eine Jahresprognose?
Nein. Eine kurze Dauerlinie beschreibt die erfasste Zeit. Saison, Auslastung, Stillstände und neue Anlagen können den weiteren Jahresverlauf verändern. Eine Hochrechnung braucht eigene, überprüfbare Annahmen.




